Auf den Spuren jüdischen Lebens: Neuntklässler des Gymnasiums Untergriesbach besuchen Linz

Im Rahmen des Lehrplans der 9. Jahrgangsstufe, der sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und der ethischen Verantwortung des Einzelnen auseinandersetzt, unternahmen die 9. Klassen des Gymnasiums Untergriesbach eine eindrucksvolle Exkursion nach Linz. Organisiert wurde die Fahrt von Religionslehrerin Maria Weinmann. Die Fachschaften Katholische Religionslehre und Ethik leisteten damit einen gemeinsamen Beitrag dazu, das im Unterricht erworbene Wissen durch eine konkrete, lokale Perspektive zu vertiefen. Ziel war es, historische Fakten an authentischen Orten greifbar zu machen und die Frage nach moralischer Verantwortung in Geschichte und Gegenwart zu stellen.

Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch der Linzer Synagoge. Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler nicht nur Einblicke in die jüdische Religion und Kultur, sondern beschäftigten sich auch mit der bewegten Geschichte des Gebäudes und der jüdischen Gemeinde in Linz. Besonders nachhaltig wirkte der Austausch mit der Referentin vor Ort. Ihre Schilderungen und die Art, wie sie historische Verantwortung mit der heutigen Bedeutung jüdischen Lebens verband, hinterließen bei den Jugendlichen einen tiefen Eindruck.

Nach dem Besuch der Synagoge erkundeten die Klassen das Linzer Stadtgebiet auf besondere Weise. Anhand der im öffentlichen Raum verteilten „Stelen gegen das Vergessen“ begaben sich die Schülerinnen und Schüler auf Spurensuche. Die goldenen Säulen erinnern mit integrierten Klingeln namentlich an jüdische Bürgerinnen und Bürger, die während der nationalsozialistischen Diktatur aus Linz vertrieben oder ermordet wurden. Indem die Jugendlichen eine Klingel betätigten, hielten sie inne und setzten sich mit den Schicksalen ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner auseinander. So wurde die Lücke, die der Holocaust in die Gesellschaft gerissen hat, auf persönliche und zugleich ethische Weise spürbar.

Der Tag in Linz war weit mehr als eine fachliche Exkursion. Er eröffnete den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Geschichte nicht nur als abgeschlossenes Kapitel im Lehrbuch zu sehen, sondern die Bedeutung von Erinnerungskultur und menschlicher Verantwortung im Hier und Jetzt zu verstehen. Zugleich leistete die Fahrt einen wertvollen Beitrag zum interreligiösen Lernen.